Seit jeher liebe ich es, Bahn zu fahren. Es ist diese besondere Art des Unterwegsseins: aus dem Fenster schauen, Landschaften an sich vorbeiziehen lassen, vor mich hinträumen. Lesen, Kaffee trinken, Gedanken verlieren und wiederfinden, während man sanft durch Felder, Städte und Jahreszeiten gleitet. Bahnfahren ist für mich weniger Fortbewegung als ein Zustand.
Natürlich ist die Bahn in den letzten Jahren zunehmend in die Kritik geraten. Verspätungen, Umleitungen, chaotische Durchsagen, der berühmte „Grund unbekannt“. Manchmal scheint nichts zu funktionieren – und doch funktioniert es irgendwie immer wieder. Und wenn man ehrlich ist: Welche Alternative ist wirklich besser?
Autofahren bedeutet Stau, Werkstatttermine und endlose Parkplatzsuche. Fliegen bringt Flugangst, Sicherheitskontrollen und ein schlechtes Umweltgewissen mit sich. Schiffe sind wunderbar, aber Gewässer nun einmal nicht überall verfügbar. Das Fahrrad liebe ich genauso sehr wie die Bahn – am besten tatsächlich in Kombination. Reiten scheitert an Haltungskosten und Heuballen im Handgepäck, Postkutschen sind leider aus der Mode gekommen, und zu Fuß gehen endet über längere Distanzen zuverlässig mit Blasen.
Alles in allem können wir froh sein, in einer Zeit zu leben, in der uns Rohstoffe, Technik und Infrastruktur eine Mobilität ermöglichen, die früher unvorstellbar war. Und inmitten all dieser Möglichkeiten bleibt die Bahn für mich etwas Besonderes.
Ein oft verkannter Vorteil: Die Bahn verbindet. Nicht nur Orte, sondern Menschen. Gerade wegen der kleinen und großen Probleme kommt man ins Gespräch. Fremde werden zu Gesprächspartnern, Leidensgenossen, manchmal sogar zu kurzzeitigen Vertrauten. Man tauscht Anekdoten aus, lacht über absurde Situationen, teilt Kaffee, Steckdosen und ein kollektives Augenrollen bei der nächsten Durchsage.
Trotz allem – oder vielleicht gerade deswegen – ist die Bahn für mich noch immer das liebste aller Verkehrsmittel. Sie schenkt Zeit, Begegnungen und diesen seltenen Luxus, einfach unterwegs zu sein, ohne selbst lenken zu müssen.
Danke, liebe Bahn. Für die Landschaften, die Gespräche, die Umwege und die Geschichten. Ich steige trotzdem immer wieder ein.
