Der innere Esel – ein unterschätzter Wegweiser

Der Esel hat keinen besonders guten Ruf. Er gilt als stur, langsam, widerspenstig. Doch wer genauer hinschaut, entdeckt eine große Qualität: Ein Esel bleibt stehen, wenn es nicht mehr weitergeht. Nicht aus Trotz, sondern aus kluger Selbstfürsorge.

Auch wir tragen so einen Esel in uns. Unser innerer Esel meldet sich oft genau dann, wenn etwas zu viel wird. Wenn Grenzen überschritten werden, wenn wir uns verbiegen, anpassen oder überlasten. Er sagt schlicht und klar: Nein. Und dieses Nein ist kein Versagen – es ist ein Schutz.

Der innere Esel lässt sich nicht antreiben, nicht überreden und nicht bestechen. Leistungsdruck, Erwartungen von außen oder ein schlechtes Gewissen beeindrucken ihn wenig. Er bleibt stehen, weil er spürt: So geht es nicht weiter. Darin liegt eine tiefe Weisheit. Er bewahrt uns vor Wegen, die uns langfristig nicht guttun, vor Erschöpfung, innerer Leere oder dem Verlust unserer Lebendigkeit.

In unserer Kreativwerkstatt laden wir dazu ein, diesem inneren Esel zuzuhören. Ihn nicht zu bekämpfen oder „wegzutherapieren“, sondern ihn kennenzulernen und zu würdigen. Was will er uns sagen? Wovor möchte er uns schützen? Und welchen anderen, stimmigeren Weg zeigt er uns vielleicht?

Kreativität braucht Raum, Zeit und Ehrlichkeit. Sie entsteht nicht unter Zwang, sondern dort, wo wir uns selbst ernst nehmen. Der innere Esel kann dabei ein wertvoller Begleiter sein – als Hüter unserer Grenzen und als Wegweiser zu mehr Authentizität.

Vielleicht ist es an der Zeit, dem inneren Esel öfter einmal dankbar über den Kopf zu streicheln und ihm zu vertrauen. Denn manchmal führt uns gerade das Innehalten genau dorthin, wo wir wirklich sein wollen.

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